QUAKENBRÜCK UND DAS ARTLAND

Lernen Sie die Region kennen – Wirtschaft und Infrastruktur

Die 1235 erstmalig erwähnte Existenz von Mühlen weist auf einen Wirtschaftszweig der hochmittelalterlichen Ansiedlung hin.Carl-Hans Hauptmeyer sieht den Ort in seinem Beitrag Wirtschaftsgeschichte Quakenbrücks im 13. bis 16. Jahrhundert als eine landwirtschaftliche Mittelpunktsiedlung des seit 1278 genossenschaftlich organisierten regionalen Adels und einen herrschaftlich gesicherten Ort mit Umschlagsfunktionen für Vieh, Getreide und andere Produkte aus dem unmittelbaren Umland, eine Siedlung, von der das ansässige Kanonikerstift profitierte.

Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts, gleichzeitig mit der Zurückdrängung der Burgmannen, entwickelte sich kleinstädtisches Wirtschaftsleben in der Stadt. 1435 entstand die Schuhmachergesellschaft, 1443 schlossen sich die tuchverarbeitenden Handwerke zusammen, 1476 die Schneider. Diese Quakenbrücker Gilden entstanden anfänglich aus Männer und Frauen umfassenden religiösen Bruderschaften. So ist bereits seit 1407 die Liebfrauengilde oder seit 1435 die St.-Sylvester-Gilde bekannt, die offensichtlich nur angesehenere Personen im Ort aufnahm und nicht zwangsläufig als Handwerker- oder Händlerkorporation zu anzusehen ist.[63] 1494 gründete sich die Zunft der Wollweber, deren überörtlicher Handel ab 1488 belegt ist. Ihnen standen eine städtische Walkmühle und etliche Färberplätze zur Verfügung.

ZINNGIEßEREI

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lassen sich Quakenbrücker Zinngießer nachweisen. Im 18. Jahrhundert gab es bis zu vier Werkstätten gleichzeitig, was für eine hohe Nachfrage nach Zinngeschirr in dieser Zeit spricht. Zu ihren Produkten zählten unter anderem die Quakenbrücker Krüge, die sich durch einen gebuckelten Deckel mit gegliedertem Stift auszeichnen. In der Regel verblieben die Werkstätten in derselben Familie, daher kommen bestimmte Familiennamen unter den Zinngießermeistern gehäuft vor, so Bahlmann, Schnackenberg, Eckholt oder Hölscher. Am produktivsten war der 1710 geborene Lubert Diedrich Bahlmann, dessen Stempel häufig auf noch vorhandenem Zinngerät eingeschlagen ist. Desgleichen ist die Marke des Meisters Gerhard Matthias Hölscher (1753–1841) häufig belegt. Eine Reihe dieser Exponate ist im Museumsdorf Cloppenburg oder im Stadtmuseum Quakenbrück zu besichtigen. Kurz nach 1850 kam das Zinngießergewerbe in Quakenbrück zum Erliegen, nachdem einige Jahre vorher bereits ein Abwandern der Handwerker in die Dörfer der Umgebung begonnen hatte. Voraussetzung dafür war die Aufhebung des Zunftzwanges während der napoleonischen Herrschaft.

LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT

Das Gebiet um Quakenbrück schneidet mit einer Ertragsmesszahl (EMZ, Maß für die Bodengüte) von 35–45 besser ab als die Gebiete der unmittelbaren Umgebung. Bei der Region handelt es sich in ihrer Gesamtfläche um verhältnismäßig spät aufgesiedeltes Geest-, Moor- oder Heidegebiet. Die mit geringem Gefälle, aber vielen Flussarmen durchfließende Hase lagerte lange Zeit Mineralstoffe und fruchtbare Schwemmsande aus dem Osnabrücker Bergland ab und sorgte so für gute Böden.

Das Artland ist, wie das gesamte Osnabrücker Land ein Gebiet mit traditionell kleinbäuerlichen Strukturen. Um Quakenbrück wird dabei seit jeher viel Ackerbau betrieben und die ansonsten hohe Viehdichte fällt viel niedriger aus. Auf dem fruchtbaren Ackerboden konnten Hafer, Roggen, Gerste und der anspruchsvollere Weizen angebaut werden. Nachdem oft Getreideüberschüsse zu verzeichnen waren, sprach man von der Kornkammer des Hochstifts Osnabrück. Dies führte im Laufe der Jahrhunderte zur Herausbildung einer wohlhabenden bäuerlichen Oberschicht. Sichtbar ist dieser Wohlstand noch heute an der Vielzahl prachtvoller alter Höfe, die zum Kulturschatz Artland zusammengefasst sind. Ein großer Teil dieser Höfe wird allerdings nicht mehr von Haupterwerbs-Landwirten bewohnt.

2003 bewirtschafteten im Stadtgebiet Quakenbrücks 23 landwirtschaftliche Betriebe eine Nutzfläche von 1269 Hektar, von denen sich zwölf dem Pflanzenfutterbau, sechs dem Ackerbau und zwei dem Gartenbau widmeten. Zwei weitere waren als Veredelungsbetriebe und einer in der Viehhaltung tätig. Sieben Betriebe wurden als Haupterwerbsbetriebe geführt.[66] Insgesamt waren in der Landwirtschaft 74 Personen beschäftigt, 25 davon in Vollzeit.[67] Rund 50 Prozent der bearbeiteten Fläche dient dem Getreideanbau mit dem Schwerpunkt Mais und Futtergetreide für die Schweine- und Geflügelhaltung; circa 35 Prozent sind Grünfläche.[68]

Noch vor 100 Jahren hatte das Gebiet um Quakenbrück einen sehr geringen Baumbestand. Das Stadtgebiet war außerhalb der besiedelten Flächen von verbuschtem Ödland, Feuchtwiesen und Heideflächen umgeben, die Bildung von Wäldern verhinderte Raubbau. Die für das Artland typischen uralten Eichenbäume befanden sich fast ausschließlich auf dem Privatgrund der Höfe. Im Zuge von Flurbereinigungen wurden nach der Bauernbefreiung die meisten gemeinschaftlich genutzten Flächen privatisiert und der Raubbau hörte schlagartig auf. Die neuen Eigentümer werteten ihre neuen Grundstücke auf und pflegten planmäßig die Gemeinschaftsflächen. So entstand im Norden der Stadt Quakenbrücks rund 140 Hektar großer Stadtwald, der 2008 mit einer Anpflanzung von 1300 neuen Eichen um 0,5 Hektar vergrößert und mit dem Heiratswald verbunden wurde. Heutzutage sind der Stadtpark und die Haseufer reich an Mischbaumbestand vorwiegend aus Eichen und Birken.

ORTSANSÄSSIGE UNTERNEHMEN

Das für den Ort viele Jahre wichtigste Unternehmen war die Firma Kynast, die nach zwei Insolvenzen als 2005 neugegründete Kynast-Steel GmbH bedeutungslos wurde. Daneben entwickelte sich Quakenbrück ab den 1950er Jahren zu einem Zentrum für Matratzenherstellung, Maschinenbau und chemische Farbindustrie; letztere bestand 1950 aus zwölf Betrieben.

Übrig geblieben ist von größeren Produktionsstätten lediglich die Firma Ruf, die seit 1920 Backzutaten, Desserts und Backmischungen herstellt. Das Unternehmen beschäftigt 350 Mitarbeiter und produzierte 2007 1,8 Milliarden Packungen. 1985 ließ sich das Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück nieder. Das Forschungsinstitut beschäftigt 80 Mitarbeiter, verfügt über einen Vier-Millionen-Euro-Etat und zeichnet sich durch die Ausführung öffentlicher Forschungsaufträge verbunden mit einer Zusammenarbeit mit der vorwiegend mittelständisch geprägten Industrie aus. Der Fahrzeugzulieferer Lear Corporation hat sich 1988 angesiedelt und produziert mit rund 250 Mitarbeitern vorrangig Fahrzeugsitze.

INFRASTRUKTUR

Die internationalen Flughäfen Münster/Osnabrück und Bremen sind jeweils rund 80 Kilometer von Quakenbrück entfernt.

Quakenbrück ist über die von Cloppenburg kommende B 68 mit Osnabrück und Nordrhein-Westfalen verbunden. Die Bundesstraße führt durch das nördliche Stadtgebiet zwischen Altstadt und Stadtteil Hengelage und bildet im Osten und Süden eine Umgehungsstraße um den Stadtkern. Der nächstgelegene Autobahnanschluss, die Auffahrt Lohne/Dinklage der A 1, liegt rund 15 Kilometer in östlicher Richtung und wird über die Landesstraße 845 erreicht. In westlicher Richtung führt die Landesstraße 60 nach Menslage und weiter nach Löningen, wo ein Anschluss an die B 213 (E 233) besteht, die in Richtung A 31, Lingen und Meppen/Emmen (Niederlande) führt.

Mit der NordWestBahn ist Quakenbrück an die Bahnstrecke Wilhelmshaven–Osnabrück angeschlossen. Die Eröffnung des Teilstücks zwischen Oldenburg und dem damaligen Grenzort Quakenbrück erfolgte am 15. Oktober 1875. Die nicht elektrifizierte Strecke wird im Stundentakt von Dieseltriebwagen des Typs Lint 41 befahren – nachfrageabhängig auch in Mehrfachtraktion.

Die 1879 von der Rheinischen Eisenbahngesellschaft eröffnete Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück blieb für einige Jahrzehnte das letzte größere Eisenbahn-Bauvorhaben in Deutschland, [69] stellte eine Konkurrenz zur Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg dar und erlangte vor allem im ersten Weltkrieg Bedeutung als kürzeste Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und dem Kriegshafen Wilhelmshaven. Sie konnte sich jedoch nie als ernsthafte Konkurrenz zur „Rollbahn“ (Spitzname der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg) durchsetzen.

Der Personenverkehr zwischen Quakenbrück und Rheine wurde 1969 eingestellt, der Güterverkehr auf diesem Abschnitt neun Jahre später. Zuvor war geplant worden, auf dem Abschnitt Rheine-Quakenbrück eine Versuchsttecke für den InterCityExperimental einzurichten. Diese Maßnahme zur Strukturförderung war als Ergänzung zum wenige Kilometer weiter nordwestlich und zeitgleich stattfindenden Bau der Transrapid-Versuchsanlage Emsland gedacht. Mittlerweile sind diejenigen Teile der Gleise zwischen Quakenbrück und Rheine demontiert, die nicht für den Freizeit-Draisinenverkehr genutzt werden. Der Öffentliche Personennahverkehr wird von der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück organisiert und durch diverse Buslinien der VOS-Nord und die Weser-Ems-Linie gesichert.

TOURISMUS

Quakenbrück ist Ausgangspunkt der 142 km langen Ferienstraße namens „Artland-Route“. Auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke Quakenbrück-Rheine können Gruppen von Ausflüglern Draisinen mieten.

MEDIEN

Das Bersenbrücker Kreisblatt ist eine Lokalausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung und hat ihre Hauptredaktion in Quakenbrück. Im selben Haus sind die Büchereien der Samtgemeinde Artland und der Stadtbücherei Quakenbrück untergebracht. Sie umfassen mehr als 20.000 Bände, sind an den Fernleihverband angeschlossen und verfügen über einen öffentlichen Internet-Arbeitsplatz.

An Printmedien erscheint weiters der Volltreffer, die Lokalzeitung für den nördlichen Landkreis Osnabrück, Südoldenburg und einen (kleinen) Teil des Emslandes. Das Anzeigenblatt erscheint zweiwöchentlich, in den Sommermonaten jedoch für einige Wochen gar nicht. Der Marktplatz ist ein zweimonatliches Journal des Artland-Ateliers. Die ON am Sonntag ist ein sonntags erscheinendes Anzeigenblatt mit Nachrichtenteil für Osnabrück und das Osnabrücker Land.

MEDIZINISCHE VERSORGUNG

Bis 1971 gab es in Quakenbrück zwei Krankenhäuser, das evangelische Bethanien-Krankenhaus und das katholische Borromäus-Hospital, deren Zusammenschluss am 23. September 1971 erfolgte. In Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Sozialministerium wurde der Bau eines 300-Betten-Krankenhauses geplant, dessen Grundsteinlegung am 14. Mai 1974 erfolgte. Nach gut drei Jahren Bauzeit war es fertiggestellt und wurde als Haus I in Betrieb genommen und die medizinische Versorgung um die Diabetologie erweitert. Im darauf folgenden Jahr wurde das ehemalige Bethanien-Krankenhaus umgebaut und renoviert. Im sogenannten Haus II fanden die neuen Fachabteilungen Neurologie und Psychiatrie ihren Platz. Im Rahmen der Sanierung von Haus II im Jahr 1999 siedelte die Fachabteilung Neurologie in Haus I um.

Im Foyer und der ökumenischen Kapelle Arche des Krankenhauses finden regelmäßig Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Vorträge und Ausstellungen bei meist freiem Eintritt statt.

BILDUNG

Quakenbrück wird gerne als Schulstadt bezeichnet. Sie verfügt über eines der ältesten norddeutschen Gymnasien, das Artland-Gymnasium, das seine Existenz auf eine Lateinschule von 1354 zurückführt. Drei Grundschulen, eine Haupt- und Realschule (Haupt- und Realschule Artland), eine Förderschule (die 1966 als Sonderschule für Lernbehinderte gegründete Hasetalschule), die Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung des Landkreises Osnabrück sowie Fachschulen für Heilerziehungspflege, Podologie, Diabetologie und Physiotherapie, eine Krankenpflegeschule und die Volkshochschule vervollständigen das Bildungsangebot. Geplant ist die Einrichtung einer Außenstelle des Bachelor-Studiengangs Pflege der Fachhochschule Osnabrück. Weiterhin befinden sich noch die Kreismusikschule Osnabrück, die Musikschule der Burgmannskapelle Quakenbrück e. V., eine private Sprachschule und mehrere Nachhilfeschulen am Ort.

Bislang konnte nicht abschließend geklärt werden, wann die erste höhere Lehranstalt in Quakenbrück entstand. Sicher ist, dass 1354 ein rector scolarum in Quakenbr. (Schuldirektor in Quakenbrück) urkundlich erwähnt wird.[74] Die Chronisten sind sich einig, dass es sich dabei um eine Einrichtung des Stiftskapitels St. Sylvester handelte, die ursprünglich den geistlichen Nachwuchs ausbildete. Spätestens seit 1507 muss sich die Stadt beteiligt haben, was aus einer Reihe von Rechnungen hervorgeht. Bis zum Jahr 1893 war die Schule in einem Anbau der St.-Sylvester-Kirche untergebracht.

1647 gestaltete der Dechant Vitus Büscher das Schulwesen neu. Die alte Lateinschule wurde mit der evangelischen Volksschule verbunden, daneben blieb eine katholische Schule bestehen. Als im Lauf des 19. Jahrhunderts das Monopol des Lateinunterrichts fiel, beantragte der Quakenbrücker Magistrat die Umwandlung in ein Progymnasium. Die Schule nahm 1832 mit drei Lehrern, drei Klassen und 40 Schülern ihren Betrieb auf. Allerdings verringerte sich die Schülerzahl stetig, bis die Stadt eine Umwandlung zum Realgymnasium vorantrieb und steigende Schülerzahlen erreichte. 1874 zog die Schule in einen Neubau an der Großen Mühlenstraße um, der in der Folgezeit mehrfach erweitert und umgebaut wurde. 1964 war abermals ein Neubau notwendig, nachdem die Schülerzahl auf 550 angestiegen war. Die Einweihung des neuen, auf rund 700 Schüler ausgerichteten Schulkomplexes erfolgte am 20. Januar 1967; die Festansprache hielt der aus Quakenbrück stammende damalige Minister für Wirtschaft und Verkehr, Karl Möller.

 

Quelle: Wikipedia

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