QUAKENBRÜCK UND DAS ARTLAND

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Quakenbrück ist eine Stadt im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen und der Verwaltungssitz der Samtgemeinde Artland, die sie zusammen mit den Gemeinden Badbergen, Menslage und Nortrup bildet. Quakenbrück ist geschichtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt des Artlands, einer Region zwischen Osnabrücker Nordland und Oldenburger Münsterland.

Die 1235 erstmals urkundlich erwähnte ehemalige Burgmanns- und Hansestadt diente in früheren Zeiten dem Hochstift Osnabrück als Sicherung gegen Norden. Burgmannen verteidigten mit ihren Burgmannshöfen die ehemalige bischöfliche Landesburg an der Hase.

Die Wahrzeichen der Stadt sind die evangelische Sylvesterkirche, die katholische Marienkirche und die Hohe Pforte, das einzig erhaltene von einstmals fünf Stadttoren. Die historische Altstadt ist von rund 100 Fachwerkhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten geprägt.

2010 feiert die Stadt 775-jähriges Jubiläum, was mit einer Vielzahl von zusätzlichen Veranstaltungen verbunden ist.

GEOGRAPHISCHE LAGE

Geographische LageQuakenbrück liegt innerhalb der Norddeutschen Tiefebene im Mittelpunkt der Schwemmlandebene des Artlandes, einer ausgedehnten Ebenheit, die von Talsandplatten und feuchten Niederungen nur schwach untergliedert wird. Der Fluss Hase kommt von Süden aus dem Teutoburger Wald, fließt auf die Cloppenburger Geest zu und wird durch den Geländeanstieg nach Westen abgedrängt. An dieser geographisch markanten Stelle, wo die Hase ihren Lauf abrupt von der nördlichen in die westliche Richtung ändert, um der Oldenburgischen Geestplatte auszuweichen, liegt Quakenbrück.

AUSDEHNUNG DES STADTGEBIETS

Geographische LageDie Stadt entwickelte sich über Jahrhunderte halbkreisförmig, da eine Ausdehnung in nördlicher Richtung wegen der kaum 500 Meter nördlich des Marktplatzes verlaufenden Grenze zum Oldenburger Land nicht möglich war. Erst anlässlich der Gebietsreform von 1972 änderte sich diese Situation mit der Eingemeindung der bis dahin zu Essen (Oldb) gehörenden Hengelage. Im Süden war durch die in westlicher Richtung durch die Stadt fließende Kleine Hase eine natürliche Begrenzung vorhanden, die aber bereits im frühen Mittelalter durch Brücken überwunden wurde. Dort entwickelte sich der Vorort Antoniort.

Die Halbkreisform der Stadtanlage ist immer noch deutlich sichtbar und wird durch die Bundesstraße 68 betont, die westlich, nördlich und östlich um die Stadt führt. Im Nordosten liegt jenseits der Bundesstraße die Siedlung Hakenkamp; südwestlich des Altstadtgebiets, durch die Bahnlinie getrennt, entstand im frühen 20. Jahrhundert die Neustadt.

Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in nord-südlicher Richtung rund drei und in ost-westlicher Richtung knapp fünf Kilometer.

ETYMOLOGIE

Eine abschließende Deutung des eigenartigen Namens der Stadt, die schriftlich erstmals 1235 als quakenbrugge in Erscheinung trat, ist kaum abzusehen. Während die letzte Silbe als Bezeichnung eines Flussüberganges offensichtlich ist, führt der erste Teil um so mehr zu Spekulationen. Eine alte Bezeichnung für Wacholder ist quakeln, manche Forscher deuten daher den Namen als Brücke bei den Wacholdern. Es ist aber zu bezweifeln, dass es im vorzeitlichen Sumpfgebiet der Hase jemals Wacholder gegeben hat. Gelegentlich wird das altniederländische kwak für Steg in die Deutungen einbezogen. Die meisten Forscher stimmen allerdings dem Historiker Hermann Rothert zu, der schrieb:

"Der Name Quakenbrück, wie der der Chauken, ist zurückzuführen auf ein Wort, das dem angelsächsischen cvacian (zittern) entspricht (vgl. Quäker, der Zitterer). Im Englischen gibt es davon ein quagmire, im Jütischen ein kvag, die beide Bebemoor bedeuten. Die Chauken wohnten im Bebelande an der Küste, und Quakenbrück bedeutet die Brücke über dem schwankenden Stege oder wohl richtiger die Brücke über das bebende Sumpfgelände."

Mit Kaulquappen oder dem Frosch, der in neuerer Zeit zum Wahrzeichen der Stadt erklärt wurde, hat der Name jedenfalls nichts zu tun.

ANFÄNGE UND STADTGRÜNDUNG

Geographische LageQuakenbrück besitzt keine Gründungsurkunde; ein Stadtbrand von 1383 hat alle alten Unterlagen vernichtet. Deshalb greifen die Forscher bei der Altersbestimmung auf eine Urkunde aus dem Jahr 1235 im Bistumsarchiv Osnabrück zurück. Die Anfänge der Siedlung werden gleichwohl deutlich älter geschätzt, da in der genannten Urkunde bereits von Mühlen die Rede ist. Möglicherweise handelte es sich um einen wehrhaften bischöflichen Meierhof, der einen wichtigen Übergang an einer geographisch markanten Stelle der Hase absicherte. Bei der Gründung des Stiftskapitels war es wohl die Absicht des Bischofs, Quakenbrück als nördlichstes Bollwerk seines Bistums gegen die Grafen von Tecklenburg, Ravensberg und Oldenburg zu bilden.

BURG, BURGMANNEN UND BURGMANNSHÖFE

Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg in Quakenbrück stammt von 1279, es kann aber angenommen werden, dass sie gleichzeitig mit der Stiftsgründung, eventuell sogar vorher errichtet wurde. Die Schleifung der Burg muss Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts stattgefunden haben. Heute ist von der Anlage nichts mehr zu sehen, selbst ein später an die Stelle der Burg getretener Burgmannshof musste 1970 einem Neubau weichen. Die Erhebung direkt hinter der Marienkirche ist noch deutlich zu erkennen. Erhalten sind indes drei ehemalige Burgmannshöfe (siehe Quakenbrücker Burgmannshöfe), die strategisch so lagen, dass sie an den gefährdetsten Stellen der Befestigung eine Sicherung übernehmen konnten.

Mit dem Wegfall der Verteidigungserfordernis ging die Bedeutung der Burgmannen beständig zurück, die nur dem Namen nach bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestehen blieben. Mit dem Aufblühen der Bürgerschaft entwickelte sich Quakenbrück zu einer Bürgerstadt mit großem Marktplatz, der den Turnierplatz der Burgmannen verdrängte und zu einem Mittelpunkt des Handels wurde. Es entstanden Handwerkervereinigungen und es wurden Handelsbeziehungen zur weiteren Umgebung geknüpft; Quakenbrück wurde Mittelpunkt des Speditionshandels zwischen Binnenland und Küste. Hatten zunächst allein die Burgmannen die Rechtsprechung ausgeübt, war seit 1469 auch die Bürgerschaft im Rat vertreten. Burgmannen und Stadt führten ab dieser Zeit dasselbe Siegel. Ab 1492 bildeten vier Burgmannen und vier Bürger den Rat, der ab dem späten 16. Jahrhundert nur noch aus sechs Bürgern bestand.

REFORMATION

Die Reformation, die von dem Quakenbrücker Hermann Bonnus eingeführt wurde, prägte und veränderte die Stadt. Bonnus bestimmte die kirchliche Entwicklung über das Bistum Osnabrück hinaus in ganz Norddeutschland mit. In Quakenbrück stieß er auf keinen Widerstand, ein Teil der Bevölkerung hatte sich schon der evangelischen Seite zugewandt oder stand ihr neutral gegenüber, die Stiftskirche konnte somit in eine evangelische Kirche umgewandelt werden.

"Bis auf ein paar Ausnahmen traten die Kanoniker in der Folgezeit ebenfalls zur evangelischen Religion über. Bonnus selbst stand mit seiner Heimatstadt in ständiger Verbindung und freute sich darüber, daß sich die evangelische Konfession hier schon sehr ausgebreitet hatte. Dies war sicher ein Grund dafür, daß er bereits im Jahre 1536 sein Handexemplar der niederdeutschen Bibel der Kirche seiner Geburtsstadt schenkte. Diese ist unter der Bezeichnung „Bonnus-Bibel“ bekannt."
Kirchengemeinde St. Sylvester

In Quakenbrück, das 1544 Mitglied der Hanse und zu einer wohlhabenden kleinen Bürgerstadt geworden war, begann ein Wechsel der Konfessionen über hundert Jahre. Es entwickelte sich eine evangelische Diaspora, die von Gebieten mit überwiegend katholischer Bevölkerung umgeben war. Begleitet war die Zeit von verschiedenen Katastrophen: 1565 brannten 32 Häuser an der Großen Mühlenstraße ab, 1576/78 flammte die Pest erneut auf, die bereits 1522 in der Stadt gewütet und einen Großteil der Bevölkerung dahingerafft hatte. Dieses Mal starben in 110 Häusern 710 Menschen, allein 70 an der Großen Mühlenstraße.

DREIßIGJÄHRIGER KRIEG

1623 begann mit dem Einzug der Katholischen Liga „mit grotem Schrecken und Ungestümlichkeit“ in Quakenbrück der Dreißigjährige Krieg und läutete eine Phase ein, in der die Stadt unter wechselnder Besatzung verschiedener kriegsführender Parteien zu leiden hatte. 1627 stellte Tilly, der Oberfeldherr der Katholischen Liga, Quakenbrück einen Schutzbrief aus, der aber kaum Wirkung zeigte. Ein Jahr später wurde ein 225 Mann starke "Schutztruppe" einquartiert, später auch schwedische Soldaten. 1635 wurde die schwedische Kompanie von den kaiserlichen Soldaten überfallen und die Stadt von Soldaten beider Parteien geplündert. Als letzte Schutzmaßnahme vor weiteren Zugriffen beider Parteien blieb der Stadt nur, die Brücken über die Hase zu zerstören und eine Bittschrift nach Osnabrück zu senden, mit der sie ersuchte,

"...diese arme ganz ausgemergelte Gemeinde mit den Augen der Barmherzigkeit anzusehen, damit doch ein geringer Teil dieses Städtleins das trockne Brod behalten möge."

1647 wurde der Dechant des Dekanats Vörden, Vitus Büscher, wegen der gegenreformatorischen Bestrebungen mit Zustimmung der Schweden beauftragt, den evangelischen Glauben in der Region zu festigen. Der katholische Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, wiedereingesetzter Landesherr des Hochstifts Osnabrück, beauftragte seinerseits 1650 den Franziskanerorden, sich in Quakenbrück niederzulassen und die Seelsorge (cura animarum) der wenigen verbliebenen Katholiken zu übernehmen.

Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurden nach den Bestimmungen der Capitulatio perpetua Osnabrugensis (Immerwährende Kapitulation) die Güter des Stiftskapitels unter beiden Konfessionen aufgeteilt. Der katholischen Seite fielen unter anderem das ehemalige Dekanats- und das Vikariatshaus samt Grundstück zu. Dieses Anwesen wurde von der evangelischen Seite für 762 Reichstaler zurückgekauft, so dass die katholische Pfarrgemeinde den Verkaufserlös für den Ankauf eines zwischen Marktplatz und ehemaliger Burg gelegenen Grundstücks samt darauf befindlicher Ruine eines ehemaligen Burgmannshofes mit dazugehörigem Wehrturm verwenden konnte[33], wo 1652 Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg den Grundstein zur Marienkirche legte. Ihre Fertigstellung zog sich bis 1696 hin.

Ende des 17. Jahrhunderts blühte die Stadt wieder auf; 1667 hatten sich 44 Wullner (Tuchmacher) um die beiden städtischen Mühlen mit ihren Walkmühlen und ihrer Leinenlegge niedergelassen. 1750 gründete sich das Handelshaus Schröder am Markt, das sich zum Stammhaus des sich in aller Welt verbreitenden Kaufmannsgeschlechts entwickelte. 1769 galt Quakenbrück mit seinen 10 Zinngießereien als Zentrum der Zinnverarbeitung im westlichen Niedersachsen; der Begriff „Quakenbrücker Krug“ hat sich in der Fachwelt durchgesetzt.

NAPOLEONISCHE ZEIT

1795 wurde Quakenbrück von englischen Truppen besetzt, die fünf Jahre blieben. Am 3. Juni 1802 begann für Quakenbrück die Franzosenzeit und das Fürstentum Osnabrück wurde dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg erblich zugesprochen. 1806 kam es durch den preußischen Sieg zum Königreich Preußen und wurde Garnisonsstadt. Im Jahr 1807 siegte Napoléon Bonaparte und die Stadt wurde dem Königreich Westfalen zugeschlagen und mit der Kontinentalsperre, die den Handel der britischen Inseln mit dem Festland unterbinden sollte, entwickelte sich die Stadt, die als Grenzgebiet zum Herzogtum Oldenburg ohnehin stets ein Warenumtauschplatz war, zu einem Zentrum der Schmuggelei. Am 1. Januar 1811 wurden die Départements Nord wieder aufgelöst und durch Napoléon direkt mit dem Kaiserreich Frankreich verbunden, indem die Folgen der verhängten Kontinentalsperre gelindert werden sollten[35]. Von 1811 bis 1814 war Quakenbrück Verwaltungssitz einer Unterpräfektur (Arrondissement), das die Kantone Ankum, Cloppenburg, Friesoythe, Löningen, Vechta, Vörden und Wildeshausen mit 56 Bürgermeistereien (Mairie) umfasste, ein Gebiet mit rund 100.000 Einwohnern. Selbst ein höherer Gerichtshof (Tribunal d'Arrondissement) wurde in Quakenbrück errichtet.[36] 1813 zeichnete sich die Niederlage Napoleons ab, nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Quakenbrück 1815 auf dem Wiener Kongress dem neu entstandenen Königreich Hannover zugeschlagen, erhielt eine neue Stadtverfassung und einen ersten Bürgermeister, den Kaufmann Anton Schröder.

INDUSTRIALISIERUNG

Hauptbahnhof QuakenbrückIm 19. Jahrhundert gab es in Quakenbrück Gewerbe der Färberei und Gerberei sowie Bürsten-, Kattun- und Silberwarenfabrikation. Am 15. Oktober 1875 wurde die Eisenbahnstrecke von Oldenburg über Quakenbrück nach Osnabrück eröffnet; erste Pläne dazu hatte es bereits 1849 gegeben, doch die damalige Kleinstaaterei erschwerte die Abstimmung der jeweiligen Interessen.

Ein Bahnhofsgebäude gab es in Quakenbrück zunächst nicht. Anfänglich wurden die Fahrkarten in der Gastwirtschaft Imbusch (dem späteren Gasthof Gösling) ausgegeben, bis Ende 1875 ein langgestreckter behelfsmäßiger Schuppen erstellt war, der erst 1910 durch das endgültige Bahnhofsgebäude abgelöst wurde. Zur Unterscheidung vom Bahnhof der früheren Kleinbahn Lingen–Berge–Quakenbrück wurde er Hauptbahnhof genannt.

WELTKRIEGE UND NATIONALSOZIALISMUS

Adolf-Hitler-Straße – Quakenbrück in der Zeit des NationalsozialismusIm Ersten Weltkrieg fielen 168 Soldaten, die aus Quakenbrück stammten. Ihnen wird seit 1930 im Ehrenhain an der Schützenhofallee gedacht. Ein weiteres Erinnerungsstück ist der Eiserne Burgmann, den Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser der Stadt Quakenbrück am 29. Mai 1916 schenkte und dessen Nagelung Geldspenden für die Kriegslasten aufbringen sollte. Die im Sitzungssaal des Quakenbrücker Rathauses stehende Statue ist aus französischer Pappel gefertigt und stellt einen Burgmann aus dem 13./14. Jahrhundert in Kettenrüstung mit Schild und Schwert dar. Sie wurde von zwei Soldaten aus von Schorlemers Bataillon geschaffen.

In den „Goldenen Zwanzigern“ konnte sich die Stadt vorübergehend wirtschaftlich erholen. 1932, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, waren diese Erholungstendenzen Vergangenheit. In diesem Jahr gab es 220 Erwerbslose, die Gewerbesteuereinnahmen hatten sich innerhalb von zwei Jahren von 60.000 RM auf 16.000 RM vermindert. Bei den Reichstagswahlen vom 6. November 1932 erreichte die NSDAP 650 Stimmen, die sich bei den Wahlen vom 5. März 1933 auf 1.019 erhöhten, was 36,4 Prozent der Wählerstimmen entsprach. Dies war zwar deutlich weniger als ihr reichsweites Ergebnis von 43,9 Prozent, doch waren die Nationalsozialisten damit in Quakenbrück die mit Abstand stärkste Partei. Im selben Jahr wurde die Lange Straße, die zentrale Geschäftsstraße der Stadt, in Adolf-Hitler-Straße umbenannt.

1928 hatte der Artländer Verein für Luftfahrt einen Flugplatz auf dem Merschland in der späteren Neustadt (die noch in Publikationen von 1993 als Ortsteil Merschland bezeichnet wird) eingerichtet und Flugtage veranstaltet, die überregionales Interesse hervorriefen und bekannte Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Gerhard Fieseler anzogen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde im Rahmen der allgemeinen Wiederaufrüstung der Ausbau des Luftfahrtwesens von der Regierung forciert. Noch im selben Jahr folgte die Stationierung einer Kreisfliegerstaffel in Quakenbrück. 1935 begannen die Bauarbeiten zum Ausbau des Flugfelds und zur Errichtung eines Fliegerhorstes, der den Tarnnamen Quadrat trug. Ab 1940 waren Kampfgeschwader stationiert, ausgerüstet mit Bombern der Typen Heinkel He 111 und Junkers Ju 88, im späteren Kriegsverlauf folgten Jagd- und Nachtjagdverbände zur Abwehr der alliierten Bomberflotten.

Besondere Bedeutung erhielt Quakenbrück durch seine große Flugzeugwerft, in der beschädigte Einsatzmaschinen repariert wurden. Anfang 1943 wurde allerdings ein Großteil des Werftbetriebes nach Südfrankreich verlegt. Den Alliierten war der Fliegerhorst bekannt, der wiederholt Ziel von Luftangriffen war. Beim schwersten Angriff am Karsamstag 1944 war auch die Innenstadt betroffen, wo zahlreiche Gebäude beschädigt oder zerstört wurden. Kurz vor Kriegsende räumte die Luftwaffe den Fliegerhorst. Am 11. April 1945 besetzten britische Truppen den Flugplatz und beendeten den Zweiten Weltkrieg für Quakenbrück.Die Briten überließen das Gelände polnischen Streitkräften, die bis 1947 stationiert blieben.

Im Juni 1933 waren in Quakenbrück 46 jüdische Einwohner registriert; rechnet man diejenigen hinzu, die in den folgenden Jahren geboren wurden oder zuzogen, beläuft sich die Zahl der Juden, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Quakenbrück lebten, auf etwa 60. Ab 1935 kam es zu einer Zunahme antisemitischer Vorkommnisse: Am städtischen Schwimmbad wurde im August 1935 ein Schild mit der Aufschrift „Juden unerwünscht“ aufgestellt. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten von Osnabrück wurde Beamten das Wohnen in Häusern von Juden verboten. Anfang 1936 verpflichteten sich die Beamten und Angestellten der Quakenbrücker Behörden, nicht mehr bei Juden zu kaufen. Am 10. November 1938 erteilte der SA-Standartenführer von Cloppenburg dem Sturmbannführer in Quakenbrück den Befehl, die Synagoge niederzubrennen und alle jüdischen Männer zu verhaften.[24]. Fünf Quakenbrücker Juden wurden von der SA festgenommen, der Viehhändler Lazarus Cohn als Niederländer jedoch wieder freigelassen. Der Weisung des Landratsamtes, alle Männer über 55 Jahre freizulassen, wurde nicht gefolgt, vielmehr wurden sie in „Schutzhaft“ genommen und mit den anderen drei Männern am 12. November 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert. Der Religionslehrer Ernst Beer starb dort – nach offizieller Version – einen Tag nach seiner Einlieferung an einem „Herzkollaps“. Die drei anderen Männer wurden im Dezember beziehungsweise Januar mit der Auflage entlassen, „sich um eine baldige Auswanderung zu bemühen“.

Am 23. Mai 1939 gab es in Quakenbrück keine jüdischen Hausbesitzer mehr, bei der Volkszählung vom 17. Mai 1939 wurden in der Stadt noch zehn jüdische Einwohner registriert, die im Verlauf des Jahres alle in das Haus Hasestraße 6 ziehen mussten. Am 12. März 1941 meldete die Stadtverwaltung, dass Quakenbrück „judenfrei“ sei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sechs der in den Novemberpogrom in Quakenbrück verwickelten Personen vor Gericht gestellt. Einer der Angeklagten wurde freigesprochen, fünf wurden zu Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren verurteilt.

Nach dem Krieg kehrten drei Quakenbrücker Juden in ihre Heimatstadt zurück. An der Stelle, wo die Synagoge stand, wurde 1983 eine Gedenktafel errichtet.

NEUERE GESCHICHTE

1969 wurde Quakenbrück wieder Garnisonsstadt, als sich eine Sanitätskompanie der Bundeswehr in der Neustadt niederließ. Es folgte das Sanitätshauptdepot Quakenbrück des Territorialkommandos Nord.

Bis in die Gegenwart hat sich ausgewirkt, dass Quakenbrück als Grenzfeste gegründet wurde. Die Trennungslinie zum Oldenburger Land, die bis 1972 gerade einmal 500 Meter vom Marktplatz entfernt verlief, ist durch die Gebietsreform zwar ein Stück weiter nach Norden verschoben worden, aber Jahrhunderte hindurch war sie der Entwicklung der Stadt hinderlich. Hier trafen in altsächsischer Zeit der Vorngau und der Hasegau zusammen, später das Hochstift Osnabrück und das Niederstift Münster und schließlich das Königreich Preußen beziehungsweise die preußische Provinz Hannover und das Großherzogtum Oldenburg.

Seit der Gebietsreform 1972 bildet Quakenbrück mit den Gemeinden Badbergen, Menslage und Nortrup die Samtgemeinde Artland. Weiterhin wurden die Hengelage und das Gebiet von Gut Vehr eingemeindet. Mit derselben Reform wurde der ehemalige Landkreis Bersenbrück, zu dem Quakenbrück bis 1972 gehörte, Teil des Landkreises Osnabrück, sodass Quakenbrück heute im Landkreis Osnabrück liegt.

Im Nachkriegsdeutschland konnte Quakenbrück viele zentrale Einrichtungen und eine Reihe von Industrieunternehmen in der Neustadt anziehen. Zum mit Abstand größten Produktionsunternehmen wurde Kynast. Es entwickelte sich Anfang der 1960er Jahre mit mehr als 1.000 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber Quakenbrücks und der Region. 1984 hatte es 15 Millionen Fahrräder verkauft, verfügte über eine Produktionsfläche von 130.000 Quadratmetern, beschäftigte 1.600 Mitarbeiter und war zum führenden Fahrradproduzenten Europas aufgestiegen. Doch brachen die Verkaufszahlen im In- und Ausland ab Anfang der 1990er Jahre wegen der Konkurrenz, unter anderem aus Asien, dramatisch ein, so dass die Kynast AG 1999 Insolvenz anmelden musste. Verschiedene Sanierungsmaßnahmen und Neugründungen folgten, doch mit wenig Erfolg für die Produktion von Fahrrädern, Freizeitmöbeln und Rasenmähern, die schrittweise bis 2005 eingestellt wurden. Die Stahlrohrproduktion läuft seit 2006 unter der neu gegründeten Kynast-Steel GmbH weiter.

Neben Kynast, das über Jahrzehnte Quakenbrücks Neustadt dominierte, siedelte sich eine Reihe weiterer Produktionsunternehmen an. Dazu gehörten unter anderem der Matratzenhersteller Schlaraffia, aus dem letztlich eine Niederlassung der Lear Corporation entstand oder die Deutsche Frühstücksei-Gesellschaft, in der Anfang der 1980er Jahre täglich 1,8 Millionen Eier sortiert und verpackt wurden und die einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen DM erwirtschaftete. 1985 wurde das private Industrie-Forschungsinstitut DIL in Quakenbrück gegründet.

Nur wenige Industrieunternehmen überstanden die Strukturkrise der 1980er Jahre. Dazu zählen der Karosserie- und Fahrzeugbaubetrieb Böcker, das Lebensmittelwerk Ruf und die JCK Holding GmbH Textil KG. Das Lebensmittelwerk Ruf ist mit seinem Produktionsbetrieb und seinen 365 Beschäftigten als einziger in der Innenstadt untergebracht. Der Textilunternehmer Günter Kollmann betreibt mit seiner JCK Holding GmbH Textil KG eine Dachorganisation für eine Vielzahl von Unternehmen aus der Textilbranche, die sich teilweise ebenfalls in Quakenbrück angesiedelt haben. Als ehemaliges Mitglied der deutschen Basketball-Nationalmannschaft gilt Kollmann im übrigen als treibende Kraft und Hauptsponsor der Artland Dragons.

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Quelle: Wikipedia

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